Nachhaltige Agrarsysteme

In den Feldern Europas steckt ein großes Potential, der Bodendegradation entgegenzuwirken. Doch leider wird auf den meisten Feldern konventionelle Landwirtschaft betrieben, welche dieses Potenzial verspielt, und den Boden großen Gefahren aussetzt.

Wenn wir profitable, nachhaltige Agrarsysteme finden, die sich an der Natur orientieren, und mit möglichst wenig Chemie auskommen, dann können unsere Landwirte mit ihrer Arbeit gutes Geld verdienen, und dabei gleichzeitig etwas gutes für die Umwelt und damit auch die Gesellschaft tun.

Ein Großteil der Bodendegradation heutzutage ist auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Entweder durch Übernutzung, falsche oder fehlende Fruchtfolgen oder durch die übermäßige Nutzung von Chemikalien. Auch die Bodenverdichtung durch schwere Maschinen ist ein großes Problem der industriellen Agrarwirtschaft.

Es gibt neben der weitläufig bekannten und sehr gut erprobten ökologischen Landwirtschaft einige nachhaltige Agrarsysteme, die ich hier vorstellen möchte.

 

Permakultur

Bei der Permakultur geht es, wie der Name sagt, darum eine Kulturlandschaft anzulegen, die Permanent produktiv ist. Das heißt, die nicht jedes Jahr aufs neue vernichtet und angesät werden muss.

Permakultur ist, wenn man einige der etwas esoterischen Ideen weglässt, eines der besten Systeme um Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zu verbinden. Hierbei werden Kulturlandschaften erdacht, die perfekt aufeinander abgestimmt sind, sich so selbst im Gleichgewicht halten, und dadurch keinen Kunstdünger und keine Chemikalien zum Schädlingsschutz benötigen.

Holistic Livestock Management

Holistic Livestock Management ist ein System zum Beweiden von Graslandschaften, das dadurch, dass es sich an der Natur orientiert die Fruchtbarkeit des Bodens wiederherstellen kann.

Eine Schafsherde bewacht von Schäferhunden

Eine Schafsherde grast im Nebel bei Sonnenuntergang

Gräser und grasfressende Säugetiere haben sich während ihrer Entwicklung gegenseitig stark beeinflusst. Durch diese sogenannte Koevolution haben sich Graslandschaften stark daran angepasst, dass in zyklischen Abständen immer wieder große Herden von Tieren vorüberziehen, und hierbei das gesamte Gras niederfressen, und den Boden mit Kot bedecken. Nachdem die Herden vorbeigezogen sind, hat die Vegetation viel Zeit, die Nährstoffe aus dem Kot aufzunehmen und sich zu erholen, bevor erneut eine Herde vorbeizieht.

Und genau dieses zyklische Abfressen und Düngen benötigen viele Gräser um gut wachsen zu können.

Derzeit wird bei der Weidewirtschaft oft ein großer eingezäunter Bereich genutzt, der eine kleine Anzahl von Tieren für einen längeren Zeitraum beherbergt. Beim Holistic Livestock Management braucht man eine große Anzahl an Tieren, die einen kleinen Bereich über einen kurzen Zeitraum beweiden, und dann zum nächsten Bereich ziehen. Man könnte also einfach die vorher genutzte Weide in kleinere Bereiche aufteilen und dann die Weidetiere jeweils für ein bis zwei Wochen auf einem Teilstück grasen lassen, und sie dann zum nächsten Teilstück schicken.

Ein Ted Talk vom Erfinder des Holistic Livestock Management, Allan Savory, zu diesem Thema ist hier zu finden.

Agrarwälder

Agrarwälder oder Agrarforste beschreiben Wälder die in Symbiose mit Feldern konzipiert werden.

So heben Wälder den Grundwasserspiegel und schaffen ein Mikroklima, das sich positiv auf das Wachstum der Feldfrüchte auswirkt. Außerdem festigen die Wurzeln der Bäume den Boden und verhindern so Erosion. Auch liefern die Bäume Nährstoffe für die Feldpflanzen, indem manche Bäume mit ihren Wurzeln Nährstoffe im Boden einlagern. Andere Bäume liefern durch ihr fallendes Laub Nährstoffe.

Dadurch, dass man neben den Feldpflanzen auch Bäume bewirtschaftet, kann man regelmäßig auch Holz ernten. Und die Bäume bieten vielen Mikroorganismen einen sicheren Unterschlupf.

Energiewälder

Ein großer Teil des Mais der in Deutschland angebaut wird, wird zur Energiegewinnung genutzt und nicht für den Verzehr von Menschen angebaut. Mais ist aber nicht die effektivste Energiepflanze. Der Anbau von Mais strapaziert die Böden auch sehr.

Statt Mais kann man Energiewälder oder Kurzumtriebsplantagen für die Energiegewinnung nutzen.

Für Kurzumtriebsplantagen pflanzt man Baumarten die schnell wachsen, wie zum Beispiel Weiden oder Pappeln, und erntet diese nach 3 bis 10 Jahren. Hierbei werden die Bäume Maschinell geerntet und zu Hackschnitzeln verarbeitet. So können diese dann entweder zum Heizen verkauft werden, oder in Biogasanlagen zur Stromgewinnung genutzt werden. Die Wälder benötigen weder Dünger noch besondere Pflege, was den Anbau sehr günstig macht. Nach der Ernte wachsen die Wälder aus den Baumstümpfen einfach wieder nach.

Bambus wächst sogar noch schneller als Pappeln und Weiden. Bambus kann alle drei Jahre geerntet werden. manche Arten sogar jedes Jahr.

Ein hochgewachsener Bambuswald

Ein Bambuswald streckt sich der Sonne entgegen

Es gibt auch Bambusarten, die Horste ausbilden. Das heißt 3 Jahre nach dem Pflanzen des Setzlings ist der Horst ausgebildet, und einige große Bambusstangen haben sich gebildet. Jetzt kann man alle paar Monate eine der Stangen ernten, ohne dem Bambus zu schaden. Dabei wachsen sehr schnell neue Stangen nach.

Egal welche Waldart man pflanzt – Bambus, Pappel oder Weiden oder Mischwälder – durch die Wurzeln und das fallende Laub wirken sich diese immer positiv auf den Boden aus, solange diese Nachhaltig bewirtschaftet werden.

Mischobst-Gärten und -Plantagen

Obstplantagen sind recht fragile Ökosysteme, da eine große Monokultur über einen sehr langen Zeitraum bewirtschaftet wird. Krankheiten können sich so schnell ausbreiten, und können auch lange überdauern.

Wenn man bei Obstplantagen Monokulturen vermeidet, und mehrere Obstarten gleichzeitig anbaut, sinkt die Gefahr gleich einen großen Teil der Ernte auf einmal zu verlieren. Hierbei sollte man darauf achten, dass niemals zwei Bäume der gleichen Art in direkter Nachbarschaft zueinander stehen. Dann können Krankheiten und Schädlinge nicht so leicht überspringen. Dadurch werden keine Pflanzenschutzmittel mehr benötigt, was den Boden stark entlastet.

Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die verschiedenen Blütezeiten bei unterschiedlichen Obstsorten natürliche Bestäuber das ganze Jahr über etwas zu fressen finden, und so einen wichtigen Lebensraum gewinnen.

Kleine Anpassungen am gewohnten Ablauf

Selbst wenn jeder Landwirt nur kleine Anpassungen am gewohnten Ablauf vornehmen würde, hätte dies bereits große Auswirkungen auf unsere Böden.

Untersaaten

Zum Beispiel wird Mais in langen Reihen ausgesät. Dabei liegt der Boden rund um die Wurzeln des Mais frei, und die Spuren des Mais wirken wie Windkanäle. Dadurch wird der Boden rund um die Wurzeln des Mais durch Wind und Wasser sehr schnell und leicht abgetragen. Das sieht man sehr leicht nach starkem Sommerregen, wenn oft unterhalb von Maisfeldern Schlamm auf die Straße rinnt. Eine einfache Methode um den Boden zu bedecken und der Erosion durch Wind und Wasser entgegenzuwirken, sind Untersaaten. Das heißt, man sät unter dem Mais verschiedene Gräser, die den Boden bedecken, aber keine Konkurrenz für den Mais darstellen. Das hat zusätzlich noch den Vorteil, dass die Gräser keine Unkräuter zulassen, was den Einsatz von Herbiziden unnötig macht.

Man kann bei den meisten Kulturpflanzen zu Untersaaten greifen, und dadurch auf Monokulturen verzichten.

Fruchtfolgen

Auch geeignete Fruchtfolgen auswählen kann den Ertrag erhöhen, und die Menge von Pflanzenschutzmitteln die nötig sind stark verringern. Die meisten Schädlinge sind auf bestimmte Arten von Pflanzen spezialisiert. Wenn man also immer die selbe Art pflanzt, können die Schädlinge immer wieder zuschlagen. Wenn man aber die Pflanzenarten raffiniert durchwechselt, haben im besten Fall einige Schädlinge keine Chance so lange zu überdauern, bis wieder eine geeignete Art zur Verfügung steht. Deshalb ist es wichtig, sorgfältig auszuwählen welche Pflanzenarten nacheinander angepflanzt werden.

Weniger ist oft mehr

Wir haben eine „Viel hilft viel“ Kultur. Das zeigt sich auch bei den Chemikalien in der Landwirtschaft.

Doch gerade hier sollte es mit der Dosierung sehr genau genommen werden.

Herbizide wie zum Beispiel Glyphosat werden im Boden von Mikroorganismen abgebaut, wenn sie richtig dosiert wurden. Werden sie aber überdosiert, wird der Boden auch für viele der Mikroorganismen toxisch, und das Abbauen der Gifte dauert länger als gewollt. Außerdem kann der Boden seinen Ökosystemaren Aufgaben dann nicht mehr ausreichend nachkommen.

Auch beim Düngen sollte man streng auf die Menge achten. Kulturpflanzen brauchen Dünger. Man kann aber mittlerweile genau berechnen wie viel Dünger genau benötigt wird um optimales Wachstum zu ermöglichen. Sogar kostbare organische Dünger wie zum Beispiel Gülle können überdosiert werden. Das kann dann dazu führen, dass Bestandteile des Düngers in das Grundwasser dringen. Derzeit haben wir ein großes Problem damit, dass sehr viel Nitrat ins Grund- und Trinkwasser dringt. Wenn sich Nitrat zu Nitrit reduziert, wird dieses giftig für Menschen.

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